Tipps für Messefotografie

Messefotografie ist in wesentlichen Teilen der Arbeitsweise mit der bei der Architekturfotografie zu vergleichen. Viele Kameraeinstellungen und grundlegende fotografische Vorgehensweisen sind identisch. Auch die fotografischen Fehler die hierbei gemacht werden, sind gleich mit denen der Fotografie bei Architektur und Innenarchitektur.

Jeder professionelle Fotograf kennt das: Ein Messestand macht oft eine hohe Dynamik des Kamerasensors erforderlich. Daher sind CCD Sensoren, wie sie beispielsweise bei Hasselblad im Mittelformat verwendet werden, hier nicht nur wegen ihres größeren Darstellungsbereichs im Vorteil. Bei diesem Bericht möchte jedoch auf dem Boden der Tatsachen bleiben,  99% aller Aufnahmen bei Messen werden mit normalen DSLR Kameras gemacht, ganz gleich ob Canon, Nikon, Olympus oder Sony. Hierbei handelt es sich immer um CMOS Sensoren mit einem Blendenumfang von 9-11 Blendenstufen. Wenn dieser Dynamikumfang durch extrem helle Lampen und beispielsweise einen schwarzen Teppich nicht ausreicht, hilft in solch einem Fall die HDR Technik weiter. An dieser Stelle möchte ich jedoch nicht näher auf das Zusammenfügung einer Belichtungsreiche eingehen, dies gehört zu einem anderen Themenbereich und soll in einem eigenen Bericht behandelt werden.

 

Die richtigen Einstellungen – schnell und einfach erklärt

Neben der DSLR mit Weitwinkelobjektiv ist zunächst ein Stativ, Fernauslöser und eine kleine Wasserwage Pflicht (gibt es aufsteckbar für ein paar Euro). Alleine mit diesen 3 Dingen ist grundsätzlich alles möglich, wenn die richtige Kameraeinstellung gewählt wurde und dem Fotografen bewusst ist, dass der eigentliche Ausschnitt später in der Bildbearbeitung optimiert werden muß.

Wasserwagen sind in fast allen Modelln heute integriert, aber in der Praxis, ich will es kurz machen, wird sich eine wirkliche Wasserwage auf dem Blitzkopf als sehr hilfreich erweisen.

Fotografieren nicht über den Sucher, sondern über die LiveViewAnzeige der Kamera. Alle Kameras zeigen in dieser Ansicht (bei korrekte Einstellung) dann eine Blichtungsimulation. Dies bedeutet, Sie sehen bereits bei der Einstellung von Blende und Belichtung, wie das endgültige Resultat aussehen kann.

Die Kamera positionieren Sie auf einem Stativ und richten Sie dann absolut waagerecht aus.  Gehen Sie so weit mit dem Stativ zurück, wie es die Räumlichkeit erlaubt. Stellen Sie den Iso-Wert Ihrer Kamera auf 200 Iso ein. Wählen sie manuelle Belichtung und stellen Sie die Blende auf 8 (evtl. können sie bis auf Blende 11 erhöhen … mehr bitte nur bei sehr hochwertigen Objektiven). Entscheiden Sie, auf welcher Höhe. Tiefe Positionen lassen den Messestand gewaltiger erscheinen, dann müssen Sie später in der Bildbearbeitung natürlich 1/3 und mehr wieder vom Boden entfernen und das Bild verkleinern. Eigentlich ist Augenhöhe richtig, 1,50m – 1,80m. Schalten Sie das LiveViewBild ein und zoomen Sie zum entsprechenden Ausschnitt. WICHTIG: Lassen Sie hierbei „Fleisch“ damit Sie später in der Bildbearbeitung kleine Korrekturen vornehmen können ohne dabei an Ihre selbst aufgenommenen Grenzen zu geraten. Wenn Sie einen sehr hohen Messestand aufnehmen müssen und kein Fachobjektiv besitzen (später dazu mehr) bedarf es später etwas Anpassung beim Bildausschnitt. Lassen Sie die Kamera wie sie ist, gerade (wichtig). In der Bildbearbeitung wird später der Ausschnitt höher gewählt, bzw. der Boden entfernt.

Über das Drehrad der Belichtungsdauer stellen Sie die Kamera nun auf einen Wert, der das Bild auf dem Display minimal heller darstellt, als es Ihr Auge wahrnimmt. Stellen Sie ebenfalls die Schärfe manuell am Objektiv ein. Die Kontrolle bei der Einstellung kann auch über die Zoom Taste auf dem LiveViewBild erfolgen. Schärfe bei Weitwinkelobjektiven können Sie aber auch per Augenmaß einstellen. Schätzen Sie die Entfernung und stellen Sie das Objektiv auf diesen Wert auf dem Objektiv ein.

Der Schärfepunkt sollte am Ende des 1/viertels Ihres Motivs liegen. Betätigen Sie nun den Kabel- oder Fernauslöser und machen Sie das Bild. Achten Sie darauf, das die Kamera und das Stativ hierbei nicht berührt oder gar bewegt werden.

Kontrollieren Sie Ihr Foto auf dem Display und verwenden Sie die Anzeige für Kontrastumfang oder Spitzenlichter hierbei. Sollte das Bild zu viele helle Bereiche aufweisen, leuchten diese bzw. das Histogramm der Kamera zeigt vollen Ausschlag ganz rechts auf der Anzeige.  Ist dies der Fall, reduzieren Sie die Helligkeit indem Sie die Belichtungsdauer verkürzen. Machen Sie die Aufnahme erneut und kontrollieren Sie wieder die Helligkeit über das Histogramm. Auch die Schärfe des Fotos sollten Sie über die ZoomTaste in der 100% Ansicht kontrollieren.

Wenn Ihre DSLR Kamera für Wechselobjektive nicht gerade 5 Jahre und und älter ist, werden Sie alle diese Funktionen die hier beschrieben sind vorfinden. Dies gilt auch für die günstigsten Modell der Einsteigerklasse. Eine teure Kamera benötigen Sie nicht. Wichtiger ist ein gutes Objektiv mit einem Brennweitenbereich zwischen 16-40mm. Natürlich gibt es noch einige spezielle Dinge, Objektive, Nodalpunktadapter, Filter usw usw. Dies war jedoch der einfache erste Schritt und genügt in über 75% aller Fälle. Was man bei der Messefotografie tun kann, wenn es schwieriger wird folgt nach einigen Bildern (gönnen Sie sich einen Kaffee, dann geht es weiter).

 

Messefotografie für Fortgeschrittene

 

Messestände sind oft sehr hoch. Wenn Sie nun die Kamera gerade ausgerichtet haben, ist es schwer ein fertiges Bild zu machen.  Um eine perfekte Aufnahme machen zu können benötigen Sie ein PC- oder Shift- Objektiv. Es gibt hierzu einige Angebote auf dem Markt: Die ersten Plätze bei den beliebtesten Shiftobjektiven nehmen aktuell das Canon TS-E 17mm und 24mm ein. Es handelt sich in beiden Fällen um excellente Objektive, das 24mm gefällt uns hierbei am besten. Leider müssen Sie für beide Objektive über 2000 Euro hinlegen. Es gibt aber auch eine Variante, die nicht nur die Hälfte des finanziellen Einsatzes erfordert, sondern nach unserer Ansicht auch die besseren Fotos.

Interessante und vor allem schönere Aufnahmen gelingen mit älteren Objektiven. Vor allem die Abberation ist beispielsweise bei einem Zeiss Contax 35mm sehr viel besser als bei den neuen Canon Objektiven. Was dazu führt, dass die Fotos dem Betrachter sofort atemberaubend klar ins Auge springen. Vor allem bei Messestandfotos bemerken wir das immer wieder, wir arbeiten mit all diesen Objektiven. Gerade die Chrom und Metall sieht fantastisch aus mit dem Zeiss Contax 35mm 2.8 PC.

Auch das Pentax 645 35mm FA gehört zu einem der besten Architekturobjektive überhaupt. Es handelt sich hierbei aber nicht um ein Shiftobjektiv. Um aus diesem Mittelformat Objektiv ein solches Objektiv zu machen, benötigen Sie einen Shiftadapter der Firma Zörk (Zörkendörfer) . Diese Shiftadapter haben einen doppelt so großen Verstellweg als beispielsweise die Canon Objektive. Mit 35mm und 20mm Verstellweg erhalten Sie einen riesigen Blickwinkel (normal 62 Grad bei 35mm und mit dem Zörk PSA Adapter wird daraus über 100, fast 110 Grad. Das alles dann ohne die typischen Probleme wie sie bei 17 oder 24mm Weitwinkel auftreten. 35mm oder 40 und 45mm stellen den Stand auch so auf einem zweidimensionalen Bild dar, wie er in der Realität auf einen Betrachter wirkt. Zudem bleibt hier jeder Runde Tisch oder Hocker auch genauso so, nähmlich rund, auch am äußersten Bildrand.  Nun gut, das geht auch mit einem TS-E 17mm, wenn der entsprechende Bildkreis verwendet wird und man mit dem Objektiv umgehen kann.

Jeder sollte sich selbst ein Bild über die Arbeitsweise mit Shiftobjektiven, Zörkadapter oder der dritten Möglichkeit, dem Nodalpunktadapter machen.  Bei einem Nodalpunkadapter fotografieren Sie mit Ihrem normalen Objektiv in der vertikalen. 4, 5 oder mehr Aufnahmen werden mit einer Stichingsoftware am Rechner zu einem Bild zusammengefügt. Wenn es ganz eng wird, verwenden auch wir einen solchen Adapter und bei der Software viel unsere Wahl auf PtGui. Es finden sich zum fotografieren mit Ptgui und einem Nodalpunkadapter viele Beiträge im Internet. Mit dieser Technik werden auch Panoramaaufnahmen erstellt.

Bei diesem Thema kommen wir nun vom sprichwörtlichen „Hölzchen auf’s Stöckchen“.  Dabei wurde jetzt nur über die Totale gesprochen. Messefotografie besteht ja aus mehr als eine Totale vom Messestand. Sehr oft fotografieren wir gerade zu Beginn mit einem Teleobjektiv um unser eigenes „Auge“ und unseren fotografischen Blick für das Design des Standes zu schärfen. Erst danach gehen wir dazu über, den vollständigen Messestand mit Weitwinkelobjektiven zu fotografieren.

Ebenso das Thema Blitzanlage und Dauerlicht für Messestandfotografie habe ich auf Grund des noch größeren Umfangs dieses ersten Berichts über das Thema Messefotografie ebenso ausgelassen, wie die Bildbearbeitung. Auch hier gibt es interessante Möglichkeiten eine sehr hohe Schärfentiefe zu erhalten (die Focus Software beispielsweise), ohne gleich ein 3D Rendering zu erstellen, obwohl es ein wenig in diesen Bereich hineingeht. HDR, Fussion, Montagen, Korrekturen und vieles mehr.

Vielleicht wird dieser kurze Einblick in die Grundlagen demnächst erweitert. Geplant ist auch ein Podcast zu diesem Thema, da wir immer wieder zu dem Thema Architekturfotografie und die korrekte Darstellung bei schwierigen räumlichen Verhältnissen befragt werden. Ein entsprechendes Video werden wir zu einem späteren Zeitpunkt in unserem Blog zeigen. Für alle Messebauer und fotointeressierte Messeausteller ist der erste Teil des Berichts von Interesse und wenn Sie diese Tipps beherzigen und alle Einstellungen so umsetzen, werden Sie tolle Bilder Ihres Messestands machen können.

Gelingt es Ihnen trotzdem nicht, fragen Sie uns! Messefotografie ist schließlich eines unserer Fachgebiete. Als Messefotografen in Frankfurt oder für alle Messestandfotos in Köln, Düsseldorf, Dortmund und Essen.

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