Für ein besseres Verständnis dieser Blitzmethode zunächst eine kurze Erklärung zum Thema Polarisation:
Licht ist eine elektromagnetische Welle, welche rechtwinklig schwingt. Polfilter sind in der Lage, elektromagnetische Wellen aus einer bestimmten Richtung herauszufiltern. Die Polarisationsfilter im Film- und Fotobereich bestehen aus 2 Glasflächen, die eine Polfilterfolie umschließen. Die Moleküle auf dieser absorbierenden Folie sind parallel ausgerichtet und filtern das Licht aus einer bestimmten Richtung heraus.
Die Kreuzpolblitztechnik macht sich diese Eigenschaft zu Nutze. Im Handel sind neben Polarisationsfiltern auch Polfilter-Folien erhältlich. Diese werden überwiegend bei Filmproduktionen verwendet, um beispielsweise Glasflächen zu verkleiden. Ein kleines Stück einer solchen Polfilterfolie vor Ihrem Blitzgerät platziert genügt und Sie blitzen mit polarisiertem Licht (also mit elektromagnetischen Wellen in nur eine Richtung).
Das Objektiv Ihrer Kamera benötigt nun ebenfalls einen Polarisationsfilter. Durch Drehen dieses weiteren Polfilters können Sie die verbliebene Wellenrichtung ebenfalls herausfiltern. Nun entfallen alle direkten Lichtreflexe und nur ein diffuses, indirektes Licht bleibt zurück. Dies bietet in der Blitzpraxis und auch bei Filmaufnahmen ungeahnte Möglichkeiten. Sie können nicht nur gegen Glasflächen und sogar Spiegel blitzen (beleuchten), auch Portraits erhalten ein wunderbares Licht. Diese etwas in Vergessenheit geratene und leider völlig unterschätzte Methode gehört eigentlich zu den Klassikern der Fotografie und wird heute überwiegend in der Werbefotografie und bei professionellen Filmaufnahmen eingesetzt.
Für den Fotografen ergeben sich hierdurch völlig neue Möglichkeiten. Um das Grundprinzip mit einem (zugegeben ungewöhnlichen) Bild zu veranschaulichen, hier eine kleine Demonstration der Wirkungsweise dieser Blitzmethode vor einem Spiegel und einigen anderen stark reflektierenden Gegenständen:
Foto 1 zeigt ein Bild mit Polarisationsfolie vor dem Blitz und Polfilter auf dem Objektiv. Foto 2 wurde ohne Polfilter und Polarisationsfolie gemacht. Das 1. Bild unterscheidet sich von dem 2. ansonsten nicht. Es wirkt auf den ersten Blick zwar schärfer, dies liegt jedoch an den reduzierten Lichtreflexen auf den Glas- und Metallflächen. Das Bild ist etwas kontrastreicher und wirkt daher knackiger.


Es folgt noch ein Foto aus der Praxis. Keine Werbeaufnahme aus dem Studio (Auto oder ähnliches) sondern eine Arbeitsituation. Die Lichtsituation vor Ort war sehr schwierig, Zeit für Experimente war nicht vorhanden, alles musste sehr schnell gehen. Entstanden ist dieses Foto in der Küche eines Hotels in Düsseldorf. Die Aufnahme wurde mit einem Aufsteckblitz SB900, einer Farbfolie auf ca. 3500K und der besagten Polarisationsfolie durch einen Diffusorschirm bei voller Blitzleistung erstellt. Das Nikon 70-200 Zoomobjektiv erhielt ebenfalls einen Polarisationfilter. Einstellung: Blende 4, Brennweite ca. 100mm.
Der Raum ist durch die extrem hohe Blitzleistung vollständig ausgeleuchtet, direkte Reflexe fehlen jedoch, trotz vieler Metall- und Glasflächen. Mit der Kreuzpolblitztechnik konnte auch diese schwierige Lichtsituation bewältigt werden. Hierfür war kein langes und letztenendes vielleicht auch erfolgloses Ausrichten vieler Blitzgeräte nötig. Mit einem Blitz auf voller Leistung konnte auch hier gleichmäßig ausgeleuchtet werden.
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Es gibt viele Möglichkeiten bei dem Einsatz von Licht als Gestaltungsmittel. Verschiedene Blitzmethoden sind hierbei eine Möglichkeit. Wichtig ist, dass Sie experimentieren, um nicht nur Erfahrungen im Umgang mit Licht und dem Einsatz von Blitzgeräten zu sammeln, sondern auch einen Stil entwickeln zu können, der zu Ihnen und Ihrer Art sich auszudrücken passt. In jedem Fall sollte Ihnen das Kreuzpolblitzen einen Praxistest wert sein.